

Der Boston Flügel im Schauspielhaus: Modell GP-215

Matthias Walter im Gespräch mit Franziska S. Büchsner

Schauspielhaus Salzburg
Interview
Warum ein Boston-Flügel im Schauspielhaus Salzburg?
Wo gibt es sie noch? Diese Individualisten, die mit Herz und Verstand, Mut und Einfühlungsvermögen einher gehen und das scheinbar Unmögliche möglich machen?
Es gibt sie! Wenige - doch es gibt sie.
So zum Beispiel die Elisabethbühne – jetzt Schauspielhaus Salzburg – entstanden vor 50 Jahren in den Kellerräumen von St. Elisabeth.
Steinway in Austria im Gespräch mit dem kaufmännischen Direktor des Schauspielhauses, Mag. Matthias Walter:
Angefangen mit der Liebe zur Musik hat der ausgebildete Pianist bei den Regensburger Domspatzen. Dies war schon eine Basis für seinen jetzigen Beruf. Es genügt in dieser Branche nicht zu studieren um dann per se Schauspieldirektor zu werden.
Die Basis … ist das Leben!
So Herr Mag. Walter auf die Frage, wie er Direktor am Schauspielhaus Salzburg wurde. Wie bin ich aufgewachsen? In welchem kulturellem Umfeld? Was hat mich begeistert? – Das prägt! Dies sehr enthusiastisch als Antwort.
Das Studium der Betriebswirtschaftslehre war für seinen Verstand. Die Klavierausbildung für sein Herz. Es muss die Verbindung zur Kultur da sein. Das Wichtigste ist das Verständnis der Zusammenhänge zwischen künstlerischem Anspruch und wirtschaftlicher Notwendigkeit. Das kann man nicht lernen! Das ist ein breites Wurzelgeflecht, welches seinen Ursprung in der frühesten Kindheit hat und in ihrer Entwicklung nie abgeschlossen ist. Mit 11 Jahren kam er ins Internat, dort folgte u.a. die musikalische Ausbildung. Im Erwachsenenalter dann die pianistische Ausbildung und das BWL-Studium.
Franziska S. Büchsner: Nach welchen Kriterien werden die Stücke im Schauspielhaus ausgewählt?
Matthias Walter: Nach verschiedenen Kriterien. Auf der einen Seite sind wir ein Theater, das öffentlich gefördert wird, auf der anderen Seite sind wir das größte freie Ensembletheater Österreichs, wodurch wir in unserer Finanzierung in hohem Maße privatwirtschaftlichen Kriterien unterliegen. Wir müssen jedes Jahr eine hohe Auslastung bringen, wobei die Eigeneinnahmen untrennbar dahinterstehen. Wir haben 40% Eigenfinanzierungsquote, üblich sind 15%. Das heißt, wir müssen ein Programm anbieten, was das Publikum anzieht, ohne zu kommerziell zu sein. Eine hohe Eigenfinanzierungsquote zeugt auf der einen Seite von einer hoher Effizienz der von öffentlicher Seite zur Verfügung gestellten Gelder, birgt jedoch auf der anderen Seite ein hohes finanzielles Risiko.
Es wird von Stadt und Land und Bund darüber hinaus sehr genau darauf geachtet, dass wir alle Sparten von Komödie bis zeitgenössischer Kunst zu einem zufriedenen Anteil bedienen, da alle Fördergeber unser Haus aus unterschiedlichen Motiven und Beweggründen unterstützen.
Es gibt hier im Schauspielhaus auch eine Schauspielschule, aus der u.a. Harald Krassnitzer, Mercedes Echerer oder Branko Samarovski hervorgingen.
Ja. Wir haben so einige Schauspieler, die einen eindrucksvollen Weg gegangen sind, wie z.B. an das Burgtheater in Wien oder an das Maxim Gorki Theater in Berlin. Die Schauspielschule ist dabei ein fester und wichtiger Bestandteil des Schauspielhauses.
Bei uns ist das Ausbildungssystem ein anderes gegenüber der Ausbildung an privaten Schulen. Die Schauspielschule basiert auf Geben und Nehmen. Sie dauert in der Regel 4 Jahre und wird in Wien mit einer anerkannten Prüfung abgeschlossen. Am Schauspielhaus sind die auszubildenden Schauspieler je nach Ausbildungsstand und neben den theoretischen Ausbildungsinhalten täglich aktiv in Inszenierungen des Hauses eingebunden. Der angehende Schauspieler hat dadurch die Möglichkeit sich sukzessive und neben dem wöchentlichen Lernpensum die nötige Professionalität auf der Bühne sowie vor echten Theatergästen zu erarbeiten. Im Gegenzug dazu ist die Ausbildung am Schauspielhaus kostenlos.
Wie und bei welchen Veranstaltungen wird der im Foyer stehende Boston-Flügel, dessen Anschaffung durch eine Kooperation mit Steinway in Austria möglich war, eingesetzt?
Er wird sehr breit eingesetzt. Zum Beispiel bei den „Zeitgesprächen“, einem Format in Kooperation mit der Schöllerbank Salzburg. Dort wird über Themen aus Politik, Wirtschaft oder über sonstige aktuelle Themen gesprochen und diskutiert. Das Schauspielhaus umrahmt diese Veranstaltung mit künstlerischen Inhalten und stellt den Petersbrunnhof zur Verfügung. Weiters wird der Flügel bei Liederabenden und der Gesangsausbildung der eigenen Schüler eingesetzt. Bisher fand diese an Instrumenten statt, die von der Qualität her unter ferner liefen zu suchen waren.
Das Ziel und Grundlage dieses Kooperationswunsches war, ein Instrument hier am Haus zu haben, das dem höchsten Standard entspricht und die Leistung der Darbietenden unterstützt. Dem ist mit dem Boston Flügel genüge getan.
Wo sehen Sie den Unterschied zwischen einem Boston und einem Steinway-Flügel? Sie hatten sich ja bewusst für den Boston entschieden?
(lachend) Der allerliebste, ehrlich gesagt, wäre mir ein Steinway B gewesen, doch da sind auch Preisunterschiede. Ich muss sagen, ich bin sehr, sehr zufrieden mit dem Boston Flügel – er ist hervorragend.
Die Unterschiede gehen dann schon eher in die Feinheiten hinein. In Nuancen der oberen und unteren Bandbreite. Die Unterschiede sind für mich daher nicht für allgemein zu definieren, sie liegen in bestimmten Klangbereichen bzw. Klangfacetten.
Spielen Sie auch auf dem Flügel?
(laut lachend) Ich spiele täglich darauf! Böse Zungen behaupten, dass ich die Kooperation nur eingefädelt habe um selber darauf spielen zu können. Das halte ich für ein Gerücht. Ich genieße das Spielen darauf sehr, muss ich sagen.
Wann kommt er wieder zum Einsatz?
Er kommt zu allen offiziellen Anlässen zum Einsatz. Zurzeit auch mit dem „Lesbeau Trio“, Chansons von Jacques Brel.
Wie kam es zur Kooperation mit Steinway in Austria?
Das waren persönliche Präferenzen. In diesem Segment, in diesem Qualitätsstandard, wie es Steinway liefert, gibt es nicht viel.
Ich bin großer Steinway – Fan und habe einen Brief an den Geschäftsführer Herrn Koller geschrieben. Es war nicht so, dass wir uns nur einmal mit Herrn Koller getroffen haben und mit einem Handschlag wieder nach hause gefahren sind.
Die Kooperation beruht auf dem Grundgedanken einer jeden Kooperation – „Geben und Nehmen“. Wir haben Herrn Koller daher auch nicht mit der inhaltlich sehr mageren Floskel „wir sind das Schauspielhaus“ überzeugen können, sondern haben ganz klar die Vorteile für beide Seiten herausarbeiten müssen. Dieser Prozess hat sich über fast ein halbes Jahr hingezogen.
Der Flügel steht in einem wunderbaren Raum – dem historische Säulenfoyer. Durch das harmonische Zusammenspiel weniger ausgewählter und aufeinander abgestimmter Kooperationspartner konnte ein stimmiges Ambiente geschaffen werden.
Klar ist jedoch, dass sich jeder zu 100 Prozent in eine Kooperation einbringen muss, andernfalls scheitern viele Kooperationen nach kurzer Zeit oder kommen erst gar nicht zustande.
Was sind die Vorhaben für 2009?
Wir haben uns über viele Jahre ein schauspielerisches Niveau erarbeitet, das national in der 1. Liga mithalten kann.
Die wirtschaftliche Grundlage ist jedoch leider im Großen und Ganzen stehengeblieben. Für diese Finanzierungslücke gilt es zu sensibilisieren und ein Maßnahmenpaket zu erarbeiten, welches das künstlerische Niveau des Hauses sowie die notwendige Dienstleistungsstruktur in der zweiten Reihe sicherstellt.
Stellt sich da auch die Frage, etwas Neues einzubringen, zum Beispiel im musikalischen Bereich?
Wir versuchen das bereits seit mehreren Jahren sehr erfolgreich mit eigenen Formaten umzusetzen. So haben wir z.B. in 2006 die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht inszeniert. Deshalb auch die Kooperation mit Steinway in Austria – um den Künstlern ein hervorragendes Instrument bieten zu können.
Um musikalische Inhalte präsentieren zu können, muss das Niveau stimmen.
Es bereichert uns ungemein, auf einen Flügel wie den Boston zurückgreifen zu können.
Herr Mag. Walter, herzlichen Dank für das Gespräch!
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