19.05.2012

Cheftechniker Stefan Knüpfer

Sie war eine Dame aus der besten Gesellschaft

„Egal, ob Sie den Fernseher anmachen oder in den Briefkasten schauen: überall nur Müll! Ich habe für mich entschieden, keinen Müll mehr in mein Leben zu lassen!“ Und jetzt war sie also auf der Suche nach dem richtigen Klavier.

Und Geld spielte auch keine Rolle. Ich hatte alle Steinway-Trümpfe in der Hand: Überragende Qualität, Langlebigkeit, Werterhalt, DAS Instrument aller Kenner und Könner. "Sie können sich Ihren Flügel sogar in Hamburg selbst aussuchen und ich bereite ihn dann nach Ihren Wünschen bei Ihnen zu Hause für Sie vor! Und wenn Sie wissen wollen, was ein unvergleichlicher Klang ist, kommen Sie einfach mit ins Konzerthaus, da gibt es gleich eine Probe auf einem unserer Steinways!"

Nachdem wir den Saal verlassen hatten, zeigte sich die Dame sichtlich beeindruckt. "Der Flügel klingt unglaublich schön. Und sehr ausgeglichen." Sie hörte erstaunlich gut. Als ich die Kundin darauf hinwies, wollte sie davon aber nichts wissen: „Vielleicht brauche ich aber gar nicht so ein schönes Instrument? Ich bin ja Laie!“
Zwei Wochen später rief sie an und sagte, sie habe sich doch für eine andere Marke entschieden. Noch heute bin ich fassungslos. Was hatte ich nur falsch gemacht?

Im Urlaub lernte ich in der polnischen Hohen Tatra einen alten Tischler kennen. An unserem Ferienhaus baute er einen Verschlag für das Kaminholz. Das Dorf, in dem der Mann unter einfachsten Bedingungen lebt, hat keine 50 Einwohner und liegt völlig abgelegen am Ende eines Tales. Als ich ihn eines Tages zum Essen ins Haus bat, sah er auf einem Schrank ein Steinway-Magazin liegen. Er war interessiert und ich erklärte ihm, dass ich für Steinway in Wien arbeite. Er nickte anerkennend und sagte: "Oh, Steinway! Wissen Sie, mein Herr, es gibt auf der ganzen Welt keine besseren Instrumente!"


Manchmal können die einfachsten Argumente so überzeugend sein.

 

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