Liszt-Zentrum in Raiding

Lukas Barwinski, Leiter des Bereichs Klassik und Jazz bei Universal Music
Klassik-CDs unter der Lupe
Klassik-Popstars einerseits, Billigproduktionen andererseits – wohin geht der Klassik-CD-Markt?
Die vielfältige Plattenindustrie von einst ist großteils vom Markt verschwunden. Heute gibt es nur noch wenige große Labels mit exzellenter Aufnahme-Qualität. „Genau dort, in diesem High Tech-Bereich, sind wir von Steinway in Austria aktiv. Wir sind auch schon bei der Raumsuche dabei, treffen uns mit dem Künstler, der den Flügel schon vor der Aufnahme anspielt. Unsere Techniker bereiten den Flügel tagelang vor und sind auch während der Aufnahme ständig anwesend, insgesamt länger als das Aufnahmeteam. Um Künstler für Aufnahmen nach Wien zu bringen, muss man unbedingt Top Qualität und Top Service im Flügelbereich anbieten“, erklärt Christoph Koller, Geschäftsführer von Steinway in Austria. Derartige Aufnahmen, etwa mit A. Brendel, T. Fellner oder P.L.Aimard, sind natürlich mit viel Knowhow und auch hohen Kosten verbunden, was sich nicht jeder Künstler leisten kann.
Aber auch diese Künstler haben seit zwei Jahren die Möglichkeit, in bester Qualität CDs aufzunehmen. Im Franz Liszt-Zentrum Raiding steht ein Top Instrument von Steinway mit einer soliden Grundqualität, und das zu überschaubaren Kosten. „Wir stützen das Projekt mit einem Rabatt von 30 Prozent für die technische Betreuung, weil wir gerne engagierte Projekte, die der Sache dienen, unterstützen. Für uns ist es wichtig, dass beste Qualität produziert wird. Wenn nicht, besteht die Gefahr, dass es zu einem Verfall des Hörens kommt“, so Christoph Koller. Andererseits ist die Unterstützung von Steinway in Austria auch eine Antwort an Billigproduzenten, die oft schlechte Qualität produzieren und durch die Überflutung einen starken Preisverfall ausgelöst haben.
Aufnahmen im Liszt-Zentrum Raiding
So weit die Motivation von Steinway in Austria, Aufnahmen im Liszt-Zentrum im burgenländischen Raiding zu unterstützen. Was aber waren die Überlegungen der Errichter selbst? „Da das Haus neu gebaut wurde, haben wir von Anfang an ein Konzept für die optimale Nutzung des Hauses entwickelt. Es war klar, dass hier ein perfekter Konzertsaal entstehen soll, in dem aber auch Aufnahmen gemacht werden können. Daher wurden etwa auch von vornherein unsichtbare Kabelkanäle eingebaut und eine akustisch nicht störende Klimaanlage installiert, sodass technisch und akustisch alles perfekt passt“, erklärt Dr. Walter Reicher, künstlerischer Leiter der Franz Liszt-Gesellschaft Burgenland. Einerseits ist die Vermietung für CD-Aufnahmen natürlich ein zusätzliches Geschäftsfeld des Hauses mit dem Vorteil, dass der Saal weit weniger abgenützt wird als bei Konzerten mit hunderten Menschen. Andererseits kommt es der Region insgesamt zugute, wenn auf der CD zu lesen ist, dass sie im Liszt-Zentrum aufgenommen wurde.
Der große Vorteil bei Aufnahmen im Liszt-Zentrum, das von den burgenländischen Kulturzentren verwaltet wird, ist das ungestörte Arbeiten. „Einerseits gibt es keine Parallelbespielungen, die Umgebung des Saals ist also absolut ruhig, ebenso aber auch die Umgebung des Hauses. Man ist nicht abgelenkt durch Züge, Straßenbahnen oder Fluglärm. Auch nicht durch Diskotheken oder eine Ansammlung von Haubenlokalen. Man kann also in Ruhe bis spät in die Nacht arbeiten, wenn man möchte“, betont Dr. Walter Reicher. Man ist außerdem nicht in einem kleinen sterilen Raum, sondern in einem 100prozentigen Konzertsaal und muss nicht improvisieren.
Künstleranfragen kommen nicht nur aus dem Inland, sondern etwa auch aus Berlin oder London, die vom sensationellen Saal in Raiding gehört haben. Dr. Reicher: „Das liegt natürlich auch am Klavier, das von allen so gelobt wird. Denn es kann von Wien aus von Steinway in Austria optimal betreut werden.“
Aufnahmen bei Universal Music
„Heute müssen CD-Aufnahmen technisch 1a sein. Das erwarten die Leute. Früher war die Technik im Hintergrund“, sagt Lukas Barwinski, Leiter des Bereichs Klassik und Jazz bei Universal Music, einem Label, bei dem nur in höchster Qualität und nur mit Top Stars produziert wird. Alben müssen seiner Erfahrung nach heute auch eher konzeptionell sein, damit sie ankommen. „Die Leute wollen eine Geschichte hören, sie wollen wissen, warum man gerade diese Aufnahme macht oder sich für diese Zusammensetzung entschieden hat.“ Gemeint sind etwa Alben wie das chinesische Album von Lang Lang.
Die hohen Kosten der technisch perfekten Aufnahmen sind der Grund, warum man bei Universal Music sehr genau überlegt, welche Aufnahmen auf den Markt kommen sollen, welche Künstler das nötige Potenzial haben. Lukas Barwinski: „Diese Entwicklung ist einerseits sehr modern, andererseits macht sie mich traurig. Jemand fallen zu lassen, das geht heute sehr schnell, weil es mehr Erfolgsdruck gibt. In der Geschichte gab es aber nie nur Top-Hits. Wenn früher alle so gedacht hätten, hätten wir unseren ganzen wunderbaren Katalog nicht. Denn etwa auch Karajan hatte nicht nur Hits. Trotz Flops wurden Künstler früher weiter gefördert und es sind dann wunderbare Werke entstanden.“
Heute werden bei Universal Music Stars kreiert. In sie wird viel Geduld und Geld investiert, was sich lohnt, denn später verkaufen sie sich wie Popkünstler, sodass Fans schon auf die nächste Platte warten. Das muss dann auch keine populäre Musik sein. Mit dem russischen Album von Netrebko etwa wurde Platin erreicht. Warum aber setzt man heute im Klassikbereich auf Künstler, die Popstars gleichen? „Klassik ist ja eine reproduktive Kunst, es gibt von jedem Werk schon zahlreiche Interpretationen. Unterscheiden kann man sich bei einer Klassik-CD nur mit Charisma und Persönlichkeit des Künstlers und der Art der Interpretation. Wie sonst ist zu erklären, dass Lang Langs Beethoven Klavierkonzert 10mal so oft verkauft wurde wie die von seinem Vorgänger?“ erklärt Lukas Barwinski von Universal Music.
Das Hauptgeschäft am CD-Markt sind trotz Downloadmöglichkeiten immer noch physische CDs, der Verkauf ist bei Universal Music nicht zurückgegangen, nur wird heute ein Großteil des Geschäfts mit den wenigen großen Stars gemacht.
Billigproduktionen allerdings sind laut Lukas Barwinski eine gewisse Konkurrenz. „Manche Leute kaufen einfach eine Klassik-CD, die Qualität ist ihnen dabei egal. Sie verstehen dann auch nicht, warum einmal eine CD drei Euro und einmal 30 Euro kostet. Da kann ich nur sagen: es gibt einen Steinway oder ein billiges japanisches Klavier. Man hat beim Klavier wie bei einer CD gewisse Qualitäten, die nur schwer beschreibbar und erklärbar sind.“
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