



Festspiele 2010
Auch im heurigen Jahr kann sich Österreich wieder über ein buntes Festspielleben freuen! In allen Bundesländern gibt es in der „warmen Jahreshälfte“ zahlreiche Gelegenheiten, seinen eigenen Geschmäckern zu frönen und Bewährtes wie Neues zu erleben. Aus der großen Anzahl an Festspielen möchten wir, abseits von Salzburg und Hohenems, einige wenige zwischen Juni und September herausgreifen und Ihnen näher bringen.
BRUCKNERFEST LINZ 2010 "Klassisch anders"
12. September bis 5. Oktober
Nach der Eröffnung des Brucknerhauses 1974 war die Gründung eines besonderen Musikfestes die logische Folge. Das Konzept dafür lehnte sich naturgemäß an Vorbilder wie die Wiener Festwochen und die Salzburger Festspiele an. Das Internationale Brucknerfest war ein reines Musikfestival mit dem Werk von Anton Bruckner als inhaltlicher Basis. Die traditionelle Ausrichtung des Brucknerfestes war nicht dazu angetan, Linz ein wirklich eigenes Image zu geben. Dr. Horst Stadlmayr und Dr. Hannes Leopoldseder ergänzten 1979 das Brucknerfest durch die Ars Electronica und die Klangwolke. Erst die Verbindung zwischen Zukunft und Tradition gab dem Brucknerfest und damit Linz ein unverwechselbares Image, das in dieser Form weltweit anerkannt wird.
Der bewährte und mittlerweile bekannte Untertitel "klassisch anders" ist nicht mehr Inhaltsangabe eines Festes für Anton Bruckner, sondern geht auch 2010 wieder der Frage "Bruckner in unserer Zeit" nach. Thomas Mandl, die Orgelkonzerte, der Wanderweg und Bruckners symphonisches Werk bilden einen Schwerpunkt im heurigen Programm. Ein zweiter sind die Aufführungen mit Klavier, bei denen sich Größen wie Rudolf Buchbinder, Melvyn Tan, Herbert Schuch und Ferhan und Ferzan Öndern an Bruckner "herantasten".
Programm Brucknerfest
ARCANA FESTIVAL FÜR NEUE MUSIK
28. Juli – 8. August 2010
Ein neues Festival stellt sich vor. In einer der magischsten Regionen Europas findet ab 2010 jährlich ein 12-tägiger Energiestrom zwischen KomponistInnen, InterpretInnen, WissenschaftlerInnen und Publikum statt.
Warum das Gesäuse? Die Reflexionen des Rauschens sind schon den Außenseitern des 19. Jahrhunderts aufgefallen, die hier ihre Zuflucht gefunden haben.
Der Name des Festivals ist Programm. Arcana ist eines der beiden Orchesterstücke von Edgar Varèse, der in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit seinen auch heute noch bestürzenden Innovationen dem pragmatischen neoklassizistischen und später faschistischen Ungeist kraftvolle künstlerische Positionen entgegen gesetzt hatte. Das Arcana Festival bezieht gegenüber Klischees, Neue Musik sei schwierig zu vermitteln eine klare Position. In seinem kommunikativen Handeln ist für das Arcana Festival die Vermittlung Neuer Musik unverzichtbar. Es kommuniziert mit allen gesellschaftlichen Schichten. Durch sein Handeln entsteht jene Weltoffenheit, die vergleichbare populistische Klischees nicht einmal ignoriert.
Arcana fühlt sich seinem Namensgeber noch in einer anderen Hinsicht verpflichtet. Edgar Varèse hatte vor 90 Jahren – visionär wie kein anderer Komponist – die Zusammenführung von künstlerischen und wissenschaftlichen Inhalten gefordert. Diesem Imperativ folgend definiert das Arcana Festival das neuronale Lustzentrum Neuer Musik als "temporalen, physischen Code, der dem Menschen die Rückverwandlung in eine Kreatur ermöglicht".
Das Arcana Festival ist kein Uraufführungsfestival, aber es verzichtet nicht auf die Neugier, nicht auf das Andere. Gleichzeitig entwirft Arcana ein Panorama kompromissloser, also freier Persönlichkeiten.
Aufgeführt werden Werke von Edgard Varèse , Salvatore Sciarrino, György Ligeti, Morton Feldman, Hèctor Parra, Beat Furrer, Arnold Schönberg, Helmut Lachenmann, Friedrich Cerha u.v.a.m.
Programm Arcana Festival
CARINTHISCHER SOMMER
8. Juli bis 28. August
Das Festival Carinthischer Sommer 2010 ist mit 42 Veranstaltungen plus frei zugänglichen Künstlergesprächen und Einführungsveranstaltungen wieder sehr umfang- und abwechslungsreich.
Die besondere Atmosphäre des größten Musikfestivals Kärntens mit seinen vielfältigen Spielstätten (Stiftskirche, Barock- und Rittersaal im Stift Ossiach, Congress Center Villach, die Bergkirche in Tiffen bei Feldkirchen, das avantgardistische Steinhaus von Günther Domenig sowie 2007 erstmals das gotische Kirchlein in St. Martin/Feldkirchen, die Burgruine Glanegg) zieht jedes Jahr im Juli und August Künstler und Publikum aus aller Welt in den Bann.
Das Markenzeichen Kirchenoper trägt ebenso zum charakteristischen Profil des Festivals bei wie Kurse und Veranstaltungen für und mit Kindern. Der stete Dialog zwischen Komponisten, Interpreten und Publikum wird durch zahlreiche Veranstaltungen im Bereich der Kunstvermittlung nachhaltig gepflegt.
Weiters im Programm: hochkarätige Kammermusik, Recitals mit herausragenden Solisten und Veranstaltungen zu "Literatur und Musik".
Ein programmatischer Schwerpunkt liegt heuer auf Finnland und seinem regen Musikleben.
Künstler wie Helmuth Rilling, András Schiff, Rudolf Buchbinder, Bernarda Fink und Herbert Blomstedt sind nur ein paar der ganz Großen, die heuer in Kärnten für Sternstunden sorgen werden.
Intendant Dr. Thomas Daniel Schlee:
"Im 41. Festivaljahr präsentieren wir also wieder ein substantielles, facettenreiches Programm, das Neuland, Festland und Eiland der Kunst vereinigt. Wir spüren, dass die Rahmenbedingungen für unsere Arbeit deutlich schwieriger werden, aber wir vertrauen fest darauf, dass für weite Kreise gerade jetzt unsere Programme als unverzichtbar erkannt werden. Für die Kunstwerke selbst ist die krise irrelevant, für die Möglichkeit ihrer Darstellung allerdings kann sie fatal werden. Wir wissen, dass unsere Arbeit in und für Kärnten nun noch wichtiger geworden ist."
Programm Carinthischer Sommer
STYRIARTE - Die steirischen Festspiele
25. Juni bis 25. Juli
Die styriarte ermöglicht heute Begegnungen mit verlorengegangen Sichtweisen unseres musikalischen Erbes, und sie spiegelt die heutige Vielfalt an spannenden Zugängen zur alten Musik wider, zur Musik zwischen Mittelalter und Romantik.
Neben dem Concentus Musicus Wien, einem von Nikolaus Harnoncourt genial geführten Ensemble für alte Musik, hat sich das überaus dynamische Chamber Orchestra of Europe als bevorzugter Klangkörper der styriarte erwiesen. Die führenden Interpreten der Alten-Musik-Szene - etwa Jordi Savall, Quatuor Mosaiques, Armonico Tributo Austria - gehören heute ebenfalls zu den Stammgästen der steirischen Festspiele.
Eine unverwechselbare Note der styriarte liegt im reizvollen Ambiente, in dem die Konzerte stattfinden. Die außergewöhnlich gut erhaltene Altstadt der steirischen Landeshauptstadt Graz mit ihren weithin bekannten historischen Plätzen und Sälen bietet den Festspielen einen unvergesslichen Rahmen.
"Heimat, bist du"
Das Musikfestival widmet sich dem Komponisten Johann Joseph Fux. Der gebürtige Steirer feiert 2010 seinen 350. Geburtstag. Aus diesem Grund wird unter anderem seine Oper "Orfeo ed Euridice" aufgeführt. Thematisch etwas anderes bietet Nikolaus Harnoncourt, der mit drei Programmen rund um Smetana, Mozart und Haydn vertreten ist.
Unter dem Motto "Heimat, bist du" - entnommen dem Text der Bundeshymne - will die styriarte Österreich als Land der Kunst hinterfragen und überprüfen. Die musikalische Reise geht dabei von den Babenbergern durch das Habsburgerreich bis in die Gegenwart. Gleichzeitig will man versuchen, Johann Joseph Fux, die Zentralfigur der 'styriarte 2010', aus der peripheren Stellung ein wenig in den Mittelpunkt zu rücken.
Den Auftakt macht aber kein Fux-Programm, sondern Smetanas "Ma vlast", dirigiert von Nikolaus Harnoncourt. Der Star-Musiker bringt an weiteren Abenden noch Haydns Oratorium "Die Schöpfung" und in Stainz Mozarts "Große Messe in c-moll" zu Gehör. Insgesamt wird Harnoncourt acht Konzerte leiten.
Auf die Spuren von Fux können sich die Besucher bei einer Vollmondwanderung begeben, die im Geburtsort des Komponisten, der heutigen Gemeinde Langegg, beginnt und endet. Auf dem Weg gibt es Musik von Fux, sowie Essen und Trinken aus der Region. "Ein Fest für Fux" wird im Grazer Burggarten, im Dom, im Mausoleum und an anderen Orten, die mit dem Musiker zu tun haben, stattfinden. Dabei wird die Musik des Komponisten von einer Lesung von Manfred Lukas-Luderer ergänzt. Die Oper "Orfeo ed Euridice" des steirischen Meisters wird in einer halbszenischen Aufführung geboten. Dirigiert wird das Werk von Jordi Savall, der außerdem noch mit dem Programm "Concert de Nations" zu hören sein wird.
Eine Neuerung im heurigen Jahr ist, dass der Heimatsaal so etwas wie das Zentrum sein wird, in dem verschiedene Veranstaltungen, umrahmt von Buffet, stattfinden werden. Dazu gehört auch eine Lesung von Elisabeth Orth mit Klavierbegleitung, bei der auf das Motto des Festivals mit weiteren Texten von Paula von Peradovic Bezug genommen wird. Wie jedes Jahr ist auch der Pianist Markus Schirmer vertreten, der sich mit einem Beethoven-Programm präsentieren wird.
Programm styriarte
© SIA
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