

Pianoforum - Wettbewerb der anderen Art
Am 23. und 24. Jänner fand im Steinway-Saal des
Musikum Salzburg erstmalig das pianoforum statt.
Projektkoordinatorin Natalie Gal
erzählt vom Konzept, aber auch von den Nachwirkungen und positiven Reaktionen der Teilnehmer, Lehrer, Berater, Eltern und Zuhörer!
„Ich habe mir Ihre Vorschläge und Tipps wirklich zu Herzen genommen und habe auch versucht diese umzusetzen.“ liest man unter den vielen Einträgen im virtuellen Gästebuch zum pianoforum. Und: “Besonders positiv aufgefallen ist mir auch, dass die einzelnen Mitwirkenden einander wirklich zuhören und nicht nur auf den eigenen Auftritt konzentriert sind.“
Unglaublich positiv ist das Echo auf das pianoforum, einer innovativen Präsentationsform für PianistInnen, die Gianfranco Sannicandro, Fachgruppenleiter für Tasteninstrumente und Klavierlehrer am Musikum Salzburg gemeinsam mit Klavierlehrkräften ins Leben gerufen hat und das heuer erstmalig am 23. und 24.01. im Steinway-Saal des Musikum Salzburg stattfand.
Hoch sind die Anforderungen bei Wettbewerben an die jungen Kandidaten und manche halten dem Druck nicht stand, empfinden die Situation als belastend, sind mit sich und ihrer Leistung unzufrieden, haben das Gefühl, versagt zu haben und sehen die „Niederlage“ als demotivierend an oder fühlen sich von der Jury ungerecht beurteilt.
Dass ein Wettbewerb ein äußerst lebendiges und bereicherndes Erlebnis darstellen kann, in Form eines interessanten Konzertes ohne Ranking vor gleichaltrigen Zuhörern und mit der Möglichkeit, Feedback zu bekommen und zu geben, beweisen innovative Foren wie „Ensembletreffen Berlin“ und „Ensembletreffen Oberösterreich“.
Am Musikum Salzburg hat man sich diese zum Vorbild genommen und sich mit den Themen „Wettbewerb“ und „Motivation“ auseinandergesetzt. „Wie können wir erreichen, dass jeder die Möglichkeit erhält, sich einer breiteren Öffentlichkeit in entspannter Atmosphäre zu präsentieren und dabei Anerkennung und Motivation zu erfahren?“ Wie können wir das Potential unserer Schüler besser fördern und neben dem reinen Handwerk menschliche Qualitäten vermitteln?“ „Wie können wir den unterschiedlichen Voraussetzungen wie unterschiedliches Einstiegsalter, unterschiedliche Unterrichtszeiten und -formen Rechnung tragen?“ das waren die zentralen Fragen von Michael Seywald, künstlerisch-pädagogischer Landesdirektor des Musikum Salzburg und der Fachgruppenleiter des Musikums auf der Suche nach neuen Wegen.
Mit der wertvollen Begleitung von Prof. Franz Hofmann, Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Salzburg und Dagmar Schinnerl, der Organisatorin von „Ensembletreffen Oberösterreich“ entwickelte die Fachgruppe für Tasteninstrumente unter Gianfranco Sannicandro das pianoforum, bei dem Inhalte, die bei herkömmlichen Wettbewerben kaum oder gar keinen Platz finden, berücksichtigt werden: ungewöhnliche, kreative Ideen, das gegenseitige Zuhören, die persönliche Meinungsbildung sowie der Austausch zwischen den Generationen.
Vorbereitend für die Klavierlehrkräfte des Musikums, die auch die Möglichkeit hatten, beim pianoforum in einem „Beraterteam“ - welches die „Jury“ im herkömmlichen Sinn ersetzt - mitzuwirken, fand zu Beginn des Schuljahres 2009/ 10 die Fortbildung „Motivation und Feedback“ von Prof. Hofmann statt, in dem motivationspsychologische Hintergründe beleuchtet wurden.
Neben dem „Fachberaterteam“ – in dem die international renommierte Konzertpianistin Ferhan Önder und der Präsident der „European Piano Teachers Association“, Prof. Anton Voigt, fixe Mitglieder waren – gab es auch ein „Schülerberaterteam“, zu dem sich die Kandidaten freiwillig anmelden konnten.

Die insgesamt 34 musikalischen Beiträge, von solistisch, über vier- und sechshändig bis zu diversen Ensembleformationen, fanden an 4 Halbtagen statt und waren auf 4 erfreulich gut besuchte Konzerte aufgeteilt. Jedes dieser etwa einstündigen Konzerte bildete eine geschlossene Einheit mit wirklichem Konzert- und Erlebnischarakter, die nicht durch ein Kommen und Gehen gestört wurde, da alle Kandidaten durchgehend im Saal saßen, sich gegenseitig zuhörten und sich Notizen zu den beiden Fragen: „Was gefällt dir an diesem Musiker? Und „Welche Tipps würdest du dem Musiker geben, wenn du ihre Lehrerin/ihr Lehrer wärst?“ machten.
Insgesamt präsentierten 50 Kandidaten (die Teilnehmerzahl war begrenzt) auf der Bühne des Steinway-Saals nicht nur ihre musikalischen Beiträge, sondern kündigten diese auch selber über Mikrofon an. Während sich im Anschluss an jedes Konzert die beiden Beraterteams zurückzogen, hatten alle anderen die Möglichkeit, die einzelnen Beiträge mittels Videoübertragung auf der Leinwand noch einmal zu sehen - allein das rief schon nachhaltige Effekte bei den TeilnehmerInnen hervor.
In den Wartepausen konnte man sich auch am Buffet stärken, wo sich eine gute Gelegenheit zu Gesprächen zwischen Eltern, Lehrern und Schülern bot. Es gab die Möglichkeit in Noten der „Mayrischen Musikalienhandlung“ zu stöbern oder sich über die Firma „Steinway in Austria“ zu informieren (beide fungierten als Sponsoren des pianoforum).
Zur abschließenden Feedbackrunde, die von Dagmar Schinnerl moderiert wurde, kamen wieder alle im Saal zusammen. Auf Flipcharts wurden die Kommentare zu jedem Kandidaten präsentiert und von jeweils einem Sprecher beider Beraterteams vorgetragen. Dabei stellte sich nicht nur heraus, dass die „jungen Berater“ äußerst genaue und kritische Zuhörer waren, sondern dass ihre Beobachtungen oft mit denen der Fachjury übereinstimmten. So mancher Lehrer und Zuhörer im Publikum konnte sich von der Art, wie Schüler einander konstruktives Feedback gaben, etwas abschauen und eigene Verhaltensmuster und Ausdrucksweisen hinterfragen. Die Fachberater gaben eine auf den jeweiligen Leistungsstand abgestimmte Rückmeldung, gingen großteils sehr individuell auf die Persönlichkeit und Qualitäten der Spieler ein, gaben Anregungen und konkrete Übehilfen und regten durch das Gespräch und Fragestellungen zu eigenen Reflexionen an.
Nicht nur die KandidatInnen nahmen die Kommentare äußerst aufmerksam entgegen, auch für das Publikum waren diese Feedbackrunden aufschluss- und lehrreich. Viele Aspekte der Interpretation und Darbietung wurden auf diese Weise anschaulich, man wurde zum genaueren Zuhören angeregt und konnte erleben, auf welche Weise positive Verstärkung erfolgen kann.

Auf die Vergabe von Preisen wurde bewusst verzichtet, da es den Initiatoren um die Langzeitwirkung und den Austausch auf breiterer Basis geht. Jeder Mitspieler bekam allerdings eine Urkunde und seinen Feedbackbogen. Der Beitrag jedes Einzelnen wurde auf Youtube veröffentlicht, wobei der Spieler entscheiden konnte, ob nur er oder jeder Zugang zu seinem Beitrag erhalten soll. 31 veröffentlichte Videos wurden bereits innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Veranstaltung 1500-mal aufgerufen und kommentiert.
Insgesamt beeindruckte die professionelle Organisation von pianoforum. Bereits im Vorfeld hatte Gianfranco Sannicandro ein eigenes Onlineanmeldesystem und eine „Doodle - Saalreservierungsanfrage“ eingerichtet. 50 LehrerInnen der Fachgruppe wirkten in verschiedenen Funktionen mit und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Die Atmosphäre war entspannt und von einer allgemeinen Begeisterung für die Sache und die jungen Musiker geprägt, dennoch fehlte es nicht an Spannung während der Auftritte.
Viele positive Rückmeldungen und glückliche Gesichter bestätigten den Erfolg des pädagogischen Konzeptes von pianoforum, das zu einer regelmäßig stattfindenden Einrichtung am Musikum Salzburg werden wird und vielleicht auch andere Institutionen zur Durchführung anregen kann.
© Natalie Gal
Projektkoordination,
Musikum Salzburg
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